Werte sind verbindlich, weil sie verbinden.
Bruder Paulus Terwitte, Kapuziner

Die Debatte um die Integration von Flüchtlingen hat einen neuen Begriff hervorgebracht: Deutsche Leitkultur. Wie inhaltsleer dieser jedoch ist, zeigt sich bereits bei einem kritischen Blick in die nähere Umgebung:
eine gemeinsame Leit-Kultur lässt sich oft nicht einmal zwischen Nachbardörfern, der nächste Stadt oder in selben Landkreis finden, zu unterschiedlich und unvereinbar sind die Traditionen und Selbstverständnisse zwischen Gemeinden. Selbst die katholische Kirche kann bei ihrer Strukturreform oft nicht zusammenführen, weil vieles unvereinbar scheint.

Was soll das sein – die Leitkultur? So, wie wir miteinander leben?

Als Mensch mit Migrationshintergrund – immerhin komme ich aus NRW – habe ich in den letzten Jahren mit vielen Menschen in Oberbayern gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, dass es nicht mal in dieser Region eine Leitkultur gibt. Jeder Ort  ist stolz auf seine Bräuche, seine Traditionen und sein Selbstverständnis, versucht diese zu pflegen und gegen andere zu verteidigen. Wurde eine stärkere Zusammenarbeit gefordert, waren es gerade diese Unterschiede, die Prozesse ins Stocken brachten und unüberwindliche Hindernisse darstellten.
In vielen Gesprächen waren es jedoch Werte, die eine gemeinsame Grundlage für eine Zusammenarbeit legten.

Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben.
Dr. med. et phil. Victor E. Frankl

Was jedoch sind unsere Werte?
Was ist uns wirklich wichtig und erhaltenswert?

Auf Bühnen und Plakaten gegen die Integration von Fremden werden immer wieder die christlichen Werte und der Erhalt des christlichen Abendlands beschworen. Das Wissen um diese Werte und die Menschen, die sich als religiös empfinden und am Leben einer christlichen Gemeinschaft teilnehmen, werden jedoch immer weniger. Gleichzeitig wächst die Angst vor „dem Fremden“, vor Menschen, die in ihrer Heimat ihre Kultur und Werte gepflegt haben, die durch ihre Flucht alles aufgegeben haben und denen nur noch ihre Werte geblieben sind, um sich zu definieren.

Denn überhaupt um fremden Wert willig und frei anzuerkennen und gelten zu lassen, muss man eigenen haben.
Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph

Wir laden Sie ein, dem Begriff der Leitkultur eine Diskussion um die Werte entgegen zu setzen, miteinander zu beschreiben, was uns in unserem Zusammenleben wichtig und wertvoll ist, und damit eine Grundlage für das Zusammenleben zu schaffen.